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Neues aus der Zukunft

Ein Newsletter mit Meldungen, die vor 5 Jahren Science Fiction waren, und heute nur noch Science sind. Alle paar Wochen neu!

#27: Die mit Roboterhosen, Untertiteln fürs Leben und Weltraumpolitik

09.10.2014

Donnerstagmorgen sind dafür da, um sich zu freuen, dass das Oktoberfest vorbei ist. Die Welt war zu Gast in München, toll! Aber unter uns, Welt, drei Tage hätten echt voll gereicht.

So, die letzten Wochen vergingen wie im Flug, und ich habe die Zeit genutzt, um einen langen Artikel über meinen Glauben zu schreiben für die Freunde vom BR-Blog woran glauben?, den ich jetzt saugern verlinken würde, der dort aber noch nicht online ist. Aber bald – den Link gibts dann in der nächsten Ausgabe. Nur soviel: a) es geht um meinen Glauben, b) ich bin Atheist, und c) es hat was mit meiner Arbeit hier zu tun. Oho!

Während wir alle zusammen auf die Veröffentlichung warten, lenken Euch vielleicht die 5 Stories in dieser Ausgabe ab, über Roboterhosen, Asteroiden in der Politik, Autos aus dem Drucker und Molekularbiologen. Ich hoffe, Euch gefällts!

Bis in zwei Wochen,
Carlo.

Fahrzeug aus dem 3D-Drucker

Der Local Motors "Strati". Quelle: Local Motors
Der Local Motors "Strati". Quelle: Local Motors

Mitte September wurde auf der Technologiemesse ITMS in Chicago ein 2-Sitzer-Fahrzeug vorgestellt, dessen Karosse, Sitze, Interior etc. komplett per 3D-Druck aus einem mit Kohlenstoff verstärkten Polymer namens Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) hergestellt wurden. Elektromotor, Batterie, Reifen und eine Handvoll Kleinteile stammen aus herkömmlicher Fertigung.

Die US-Firma Local Motors hat das elektrisch betriebene Auto in jahrelanger Arbeit entwickelt, der eigentliche Druckprozess dauert nur 44 Stunden, die Endmontage des fertigen Flitzers nimmt einen weiteren Tag in Anspruch. Insgesamt besteht ihr “Strati”, so der Name, aus nur 49 Einzelteilen; ein handelsübliches Auto dagegen hat mehrere tausend Teile.

Und wer sich jetzt fragt, wie man sich das Drucken eines Fahrzeugs vorstellen muss, dem sei dieses kurze Video empfohlen, das im Zeitraffer die Herstellung zeigt.

Noch hat das Gefährt keine Marktreife erlangt. Nichtsdestotrotz stehen die nächsten Schritte schon fest:

Während Local Motors hofft, Strati in den kommenden Monaten reif für den Verkauf zu machen, setzt Cincinnati Inc. [Anm. Carlo: der Hersteller des Druckers] darauf, den Drucker zu vermarkten. Zwei Riesenprinter seien bereits verkauft worden, heißt es auf der amerikanischen populärwissenschaftlichen Website popsci.com. Ein Unternehmen wollte sie für Forschungszwecke und möchte mit ihnen Kunststoffgemische für den Druck testen.

Wenn es nach Cincinnati Inc. geht, schlagen demnächst auch Firmen zu, die Teile für Autos, Flugzeuge, Roboter und ähnliches damit herstellen wollen. Immerhin schaffe ein großer Drucker wie dieser Stücke, die rund zehnmal so groß sind wie die Ausdrucke derzeit gebräuchlicher Industrieprinter, heißt es.

(Quelle: ingenieur.de)

Was mich daran happy macht

Möchte ich persönlich ein Fahrzeug aus dem Drucker? Nein, ich glaube nicht, zumindest noch nicht. :) Aber der Strati ist so ein schönes Paradebeispiel für diese Technologie, daran konnte ich nicht vorbeigehen!

Mehr Kraft in der Hose

Das Biodesign-Labor der Harvard Universität (USA) überraschte vor ein paar Tagen mit einer, äh, robotischen Hose. Das von ihnen entwickelte Exoskelett ist dafür gedacht, den Beinen des Trägers sozusagen unter die Arme zu greifen – es unterstützt die Beinmuskulatur mit robotischen Elementen, um z.B. das Tragen von schweren Lasten zu erleichtern. Dabei sieht es in der Tat ein wenig aus wie eine enganliegende Leggings (siehe Bild). Die Hose besteht aus “strukturierten funktionalen Textilien”, die mit eingebauten Sensoren den Gang des Trägers überwachen und ihm Hilfestellung geben, um Muskeln und Gelenke zu unterstützen und entlasten.

Exoskelette sind normalerweise größere Geräte, der “Bediener” steigt sozusagen in einen Harness, der meist vage an die menschliche Figur erinnert (oder an Teile davon). Das Skelett überwacht die Bewegung und verstärkt sie mit Hilfe von Motoren etc. Das bekannteste fiktionale Modell eines solchen Exoskeletts dürfte der supercoole power loader aus dem Film “Aliens” sein.

Das Harvard-System ist anders als bisherige Systeme, da es sich an den natürlichen Bewegungen von Muskeln und Sehnen orientiert, und diese emuliert. Es erinnert dabei nicht von ungefähr an lange Unterhosen, denn es ist tatsächlich für “unten drunter” konzipiert. Softe Sensoren in den Textilien überwachen die Bewegungen des Trägers, Batterie-betriebene Motoren ziehen über Kabel die Ferse oder am Bein nahe der Hüfte, um das Bein im richtigen Moment zu unterstützen – in der Art kann das Exoskelett dem Körper eine “Kraftreserve” von bis zu 20% geben.

Das Labor gibt als Zielgruppen sowohl Soldaten, Feuerwehrleute und auch Senioren an, also Menschen, die entweder beruflich schwere Rucksäcke oder Ausrüstung herumschleppen müssen, oder aber aus Alters- oder Krankheitsgründen Schwierigkeiten mit dem normalen Gehen haben. Die Batterien halten derzeit zwei bis vier Stunden durch, da aber auch die Batterietechnologie nicht stillsteht, dürfte sich diese Angabe bis zur Markteinführung noch etwas ändern.

Das Projekt wurde gerade von DARPA1 mit $2,9 Mio Zuschuss bedacht, um die nächste(n) Version(en) des Prototypen zu finanzieren. Tests mit Soldaten, Schlaganfall-Patienten, Feuerwehrleuten und anderen Freiwilligen laufen bereits. Und die US-Sportartikelfirma New Balance hat eine Kollaboration mit dem Labor verkündet, was ich sehr interessant finde.

Was mich daran happy macht

Das erste leichte, unterstützende Exoskelett, das man auch unter weiten Hosen tragen könnte, und was u.A. Senioren helfen kann, besser unterwegs zu sein. Und die Sportindustrie interessiert sich auch schon dafür… Daumen hoch!

Fussnoten:

  1. “Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) ist eine Behörde des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten, die Forschungs-Projekte für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten durchführt, u. a. auch Weltraumprojekte. Das jährliche Budget beträgt etwa drei Milliarden US-Dollar (Stand 2004).” Danke, Wikipedia.

Echtzeit-Untertitel für Gespräche

Das Georgia Institute of Technology (USA) hat eine App für Google Glass und Android-Smartphones entwickelt, die Untertitel für laufende Gespräche erzeugt. Sie ist gedacht für Menschen mit beeinträchtigtem Gehör, sie können damit in Echtzeit auf dem Glass-Display lesen, was ihr Gegenüber spricht. Die Idee dahinter ist, dass z.B. einer Schwerhörigen in Unterhaltungen geholfen wird – sollte ihr mal ein Wort durch die Lappen gehen, so kann sie mit einem kurzen Blick auf den Glass-Screen einfacher wieder in die Unterhaltung einsteigen, und möglicherweise auf das Nachfragen verzichten.

Der Gesprächspartner benutzt dabei das Smartphone als Mikrofon. Zwar hat Google’s Glass ein eingebautes Mikrofon, dieses ist aber auf seinen eigenen Träger fokussiert und so angelegt, dass es andere Stimmen ignoriert. Die Smartphone-App erkennt also das gesprochene Wort und nutzt das Glass-Display als Ausgabegerät.

Was mich daran happy macht

Google Glass und derlei tragbare Geräte sind eine neue Form von Technologie, und die gesellschaftlichen, moralischen und auch technischen Auswirkungen sind noch nicht komplett klar. Und gerade Glass ist durchaus ein “Bananen-Produkt” im besten Sinne: es reift beim Entwickler da draussen. So, wie auch der Nutzen eines Smartphones durchaus mit den Apps steigt, die dafür verfügbar sind, und wie diese u.U. die weitere Entwicklung der Geräte beeinflussen, so wird auch die Evolution von Wearables wie Glass durch Tüftler getrieben, die eben nicht bei Google sitzen. Sicher, das ist jetzt keine vollkommen superfaszinierende Erfindung wie z.B. Haie mit Laser am Kopf, aber mich flashen manchmal auch die kleineren Fortschritte. :)

Und mir gefällt der Gedanke, dass uns später einmal, wenn wir mal (etwas) älter und (etwas) grauer sind, und unsere Sinne vielleicht ein wenig nachlassen, mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, dem etwas entgegenzusetzen.

Glass-App im Einsatz. Quelle: Georgia Tech
Glass-App im Einsatz. Quelle: Georgia Tech

US-Kongress berät über Resourcen-Förderung an Asteroid

Kein Scherz: Der US-Kongress diskutiert, ob Resourcen-Förderung an Asteroiden nach geltendem US-Recht überhaupt tragbar ist. Der internationale “Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper” von 1967 verbietet nämlich nur Staaten, von Himmelskörpern (wie z.B. Planeten und Monde) Besitz zu ergreifen; als der Vertrag geschlossen wurde, konnte sich noch niemand vorstellen, dass eines Tages eine nicht-staatliche Raumfahrtindustrie existieren würde.

Die Frage ist nun, ob Firmen wie Planetary Resources1, die in den USA registriert sind, überhaupt das Recht haben, auf Asteroid nach Rohstoffabbau zu betreiben. Diese Industrie steckt derzeit noch in den Kinderschuhen bzw. der Planungsphase, aber der Markt für derartige Dienstleistungen und Ressourcenbeschaffung dürfte in den nächsten Jahrzehnten mächtig wachsen, und Rechtssicherheit auf nationaler Ebene (und später auch auf internationaler) ist absolut notwendig für alle Firmen, die diese Industrie vorantreiben und sich in ihr bewegen.

Und nein, ich glaube nicht, dass die Praxis, die dieser Theorie folgen wird, noch viele Jahrzehnte entfernt ist.

Was mich daran happy macht

Ist es nicht toll, dass sich jetzt schon die Politik mit solchen Themen beschäftigen muss? ;) Mir ist klar, dass das nicht automatisch bedeutet, dass dieser Markt schon erschlossen und aufgeteilt ist, aber die Vorstellung ist anscheinend nicht nur für mich greifbar genug, dass politische Debatten dazu angestossen werden.

Mit großem Geld gegen das Altern

California Life Company (kurz: Calico, auch bekannt als das Unternehmen, das von Google gegründet wurde, um den Kampf gegen das Altern aufzunehmen1) hat im September die Zusammenarbeit mit dem global agierenden BioPharma-Unternehmen AbbVie verkündet. Die Unternehmen wollen ihre Resourcen zusammenbringen, um gemeinsam neue Therapien für Patienten mit altersbedingten Leiden (wie u.A. neurodegenerative Krankheiten oder Krebs) zu finden, zu entwickeln und zu Marktreife zu bringen.

Sowohl AbbVie als auch Calico werden initial je $250 Mio in die Partnerschaft einbringen, mit Option auf weitere $500 Mio (pro Partner) zu einem späteren Zeitpunkt. Am Geld sollte es also nicht scheitern… Im Rahmen der Zusammenarbeit wird Calico eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung aufbauen, deren Fokus auf Wirkstoffforschung und -entwicklung liegen soll. AbbVie wird seinerseits wissenschaftliche und klinische Entwicklungshilfe geben, und helfen, die neuen Erfindungen am Markt zu etablieren.

In den letzten Monaten ging Calico mehrfach durch die Fachpresse, weil dort ein ziemlich beeindruckendes Team an Wissenschaftlern zusammengestellt wird, wie z.B. die Molekularbiologen Dr. Cynthia Kenyon (Fachgebiet: die Genetik des Alterungsprozesses) und Dr. Arthur Levinson (Zitat FAZ: “Lichtgestalt in der Biotechnologieindustrie”)

Was mich daran happy macht

Es geht vorwärts mit Calico, die meinen das ernst und nehmen richtig Geld in die Hand! Finde ich gut, zumal ich heute morgen festgestellt habe, dass ich immer noch altere, in der letzten Zeit sogar mehrmals täglich. Es wird Zeit, dass da mal jemand was tut.

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Carlo Zottmann

Neues aus der Zukunft wird herausgegeben von Carlo Zottmann.
Tel +49 151 651 81827. Zeisigweg 30, 81827 München, Deutschland.
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Das NadZ-Titelbild basiert auf "More Power To You!" von Flickr-Nutzer James Vaughan (Lizenz: CC BY-SA 2.0). Verwendete Icons © Entypo (Lizenz: CC BY-SA 4.0).

Ich bin kein Wissenschaftler, nur ein interessierter Amateur, und auch wenn ich alle Zusammenfassungen nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, so können sich doch Fehler einschleichen. Wenn ich groben Unfug verzapft habe, lass es mich bitte wissen. :)

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